Geh in die Stille - erwecke den Buddha in Dir

Lied des Erwachens

Cheng-tao-ke

Lied des Erwachens

von Yung-chia Hsüan-chüeh (665-713)

Diese Version wurde von Ani Karma Tsultrim anhand verschiedener deutscher und englischer Übersetzungen erstellt und von einem Dozenten für chinesischen Buddhismus durchgesehen.

 

Hast du nicht einen Erwachten in seiner Ruhe gesehen?

Im Nicht-Tun verweilend, jenseits des Lernens hat er aufgehört sich abzumühen.

Er unterdrückt nicht Gedanken, noch sucht er die Wahrheit,

bleibt absichtslos, natürlich und gelöst.

Frei von Unterscheidung ist für ihn alles Buddhatá,

und der Leerheits-Körper der Illusion ist Dharmakáya.

Wer ihn verwirklicht ist jenseits von allem.

 

Die Essenz aller Dinge ist die reine, uranfängliche Buddhanatur.

Die fünf Skandhas kommen und gehen wie ziehende Wolken am Himmel.

Gier, Zorn und Unwissenheit entstehen und vergehen

wie Luftblasen auf dem Ozean.

Wenn die Wahrheit erlangt ist, gibt es weder ‚Ego’ noch ‚Dharma’

und in einem Moment ist das Karma der Avici-Hölle ausgelöscht.

Sollte ich wissentlich lügen und mit falscher Rede die Menschen täuschen,

wird mir als Folge die Zunge herausgerissen

und ich werde für Äonen Höllenqualen erleiden.

Im selben Augenblick, in dem des Tathágata Chan erlangt ist,

sind die sechs Vollkommenheiten

und die unzähligen geschickten Methoden vollendet.

Die sechs Daseins-Bereiche existieren deutlich während du träumst.

Doch einmal erwacht,

kann nicht einmal der große Chilio-Kosmos gefunden werden.

Da gibt es weder Glück noch Leid, weder Gewinn noch Verlust.

Versuche nicht diese Dinge im erwachten Geist zu suchen.

 

Noch nie war der Spiegel von Staub befreit.

Doch heute wird er gereinigt, um in vollem Glanz zu erstrahlen.

 

Was ist Nicht-Denken? Was ist das Nicht-Geborene?

Mitten in der Erscheinung dringst du zum Todlosen vor!

Wer sich bemüht ein Buddha zu werden, wird ihn nie finden.

Da kannst du auch eine hölzerne Puppe um Hilfe bitten.

 

Leg ab die vier Elemente, hafte an nichts.

Verweile auch beim Essen und Trinken im natürlichen Zustand.

Alle Erscheinungen sind vergänglich, deshalb sind sie leer.

Dies erkennend, verwirklichst du die vollkommene Befreiung des Tathágata.

 

Ein wahrer Schüler des Buddha verkündet die höchste Wahrheit.

Wer das nicht glaubt, kann ruhig mit mir diskutieren.

Er sollte aber daran denken, dass sich der wahre Weg

mit der Wurzel der Wahrheit beschäftigt und nicht mit den Ästen und Blättern.

Die meisten Menschen wissen nichts vom kostbaren Juwel, das jeder besitzt.

Es ist in der Tathágata-Natur verborgen,

wo es darauf wartet, entdeckt zu werden.

 

Die sechs Sinne sind weder existent, noch nicht-existent.

Das Ganze ist eine Illusion und im Grunde ist alles Leerheit.

 

Der edle Glanz des Juwels erstrahlt in der Welt der Erscheinungen

und doch ist es selbst jenseits von Farbe und Form.

Die fünf Sichtweisen sind geläutert und die fünf Kräfte erlangt,

wenn du die unfassbare Wahrheit verwirklichst.

Es ist nicht schwer, in einem Spiegel Bilder zu sehen.

Aber wer kann das Bild des Mondes im Wasser ergreifen?

 

Die Schüler des Dharma gehen stets allein.

Erst die Erwachten wandern gemeinsam auf demselben Weg des Nirvána.

Du erkennst sie seit jeher am klaren Geist und reinen Herzen.

Bescheiden, natürlich und zufrieden, mit hagerer Gestalt

ziehn sie unbeachtet von der Welt dahin.

 

Die Kinder des Buddha sind für ihre Armut bekannt.

Doch arm ist nur ihre Erscheinung nach außen.

In schlichtes Gewand gekleidet,

bergen sie in ihrem Innern einen kostbaren Schatz.

Als unerschöpfliches Juwel der Weisheit nimmt er nie ab,

soviel sie ihn auch benutzen.

Ohne zu zögern helfen sie anderen Wesen auf dem Weg zur Befreiung

und geben jedem davon, soviel er gerade bedarf.

Die drei Buddha-Körper und die vier Weisheiten sind in ihnen verwirklicht.

Tief im Herzen tragen sie die achtfache Befreiung

und entfalten die sechs wunderbaren Geistes-Kräfte.

 

Der Edle Schüler versteht mit einem Mal alles.

Mag der Mittlere und der Niedere auch sehr gelehrt sein,

durch ihre Skepsis erkennen sie nicht die tiefe Wahrheit.

Befreie dich von deinen abgetragenen Meinungen,

und dein Wahres Wesen tritt in Erscheinung.

Wozu dann noch stolz sein und an Äußerlichkeiten hängen?

 

Wenn es auch Menschen gibt, die dich kränken und verleumden,

kümmere dich nicht darum.

Sie bemühen sich vergeblich, den Himmel in Brand zu stecken.

Für den wahren Übenden sind ihre Worte wie Nektar,

und sie versetzen ihn in den Bereich des Tathágata.

So bringen schmähende Worte Segen.

Wer sie äußert, ist dir ein guter Lehrer.

Durch ihn gelangst du jenseits der Unterscheidung von Freund und Feind.

Geduld und unbegrenztes Mitgefühl sind der Lohn.

 

Wer die Quelle der Erfahrung und die Lehren durchdringt,

erreicht Samádhi und Prajná in vollendeter Einheit,

unbehindert durch eine Vorstellung von Leerheit.

Dies ist nicht nur wenigen vorbehalten.

Dafür zeugen die Erwachten, unzählbar wie Sandkörner am Ganges.

 

Die Lehre der Furchtlosigkeit gleicht Löwen-Gebrüll,

das Tiere in Angst und Schrecken versetzt.

Selbst der vornehme Elefant verliert seine Würde und läuft davon.

Nur der Drache am Himmel hört still und mit Freude zu.

 

In vergangenen Tagen habe ich Flüsse und Berge überquert,

bin zu Land und zu Wasser gereist,

um Meister zu suchen und im Weg unterwiesen zu werden.

Aber seit ich so zum Berg Tsao Chi kam, sind Geburt und Tod überwunden.

 

Verlasse nicht den erwachten Zustand.

Sei ungezwungen beim Sitzen und Gehen, beim Sprechen und Schweigen,

beim Tun und beim Nicht-Tun.

Verweile in heiter-gelassener Ruhe.

Selbst beim Anblick des Schwertes und im Angesicht des Todes,

auch wenn dir Gift gereicht wird, bleib unbewegt und still.

 

Unser Meister Shákyamuni

begegnete vor vielen Zeitaltern dem Buddha Dipamkara,

erhielt von ihm den Dharma

und wurde zum Bodhisattva der Geduld und Ausdauer.

 

Wie oft sind wir geboren?

Wie oft sind wir gestorben?

Leben und Tod folgen einander unaufhörlich.

Wer zur Todlosigkeit erwacht, bleibt von Lob und Tadel unberührt.

Er lebt jenseits von Freude und Trauer.

Zurückgezogen in einer Einsiedelei in den Bergen,

unter alten Kiefern, an stillem Ort meditierend,

lebt er so ruhig und zufrieden.

 

Wenn du erwachst, verstehst du, und alles Abmühen hat ein Ende.

Da ist nichts Gemeinsames zwischen dem Todlosen

und der vergänglichen Welt.

 

Wer großzügig, aber in Erwartung einer Belohnung gibt,

mag in höheren Bereichen wiedergeboren werden.

Dies ist, wie Pfeile gen Himmel zu schießen.

Sie fallen auf die Erde zurück, sobald ihre Kraft erschöpft ist.

So auch erschöpft sich die Quelle des guten Karma.

 

Ganz anders ist es, an der Pforte zum Erwachen zu stehen.

Sie führt dich direkt in den Bereich des Tathágata.

 

Ein wahrer Schüler zielt auf die Wurzel

und kümmert sich nicht um Äste und Blätter.

Dies ist wie die Spiegelung des Mondes in einem klaren Kristall.

Wenn du den Lichtschatz der Befreiung verwirklichst,

dann nutze ihn alle Zeit zum eigenen Wohl und zu dem aller Wesen.

 

Der Mond gießt sein Licht in den Strom.

Eine Brise streift durch die Kiefern.

Alles ist ruhig in dieser klaren, endlosen Nacht.

Was bedeutet das wohl?

Tief im Herzen trägst du das Siegel, die reine Perle der Buddhanatur.

Nebel und Tau, Wolken und Schleier sind wie Gewänder, die sie verdecken.

Die Schale des Mönchs, um Drachen zu bannen.

Der Stab, um streitende Tiger zu trennen,

an seiner Spitze klingen hell die Ringe aus Metall.

Schale und Stab sind nicht nur Gegenstände ohne Bedeutung.

Sie sind das kostbare Zeichen der Buddhaschaft.

 

Weder die Wahrheit suchen, noch Täuschung vernichten,

das ist die wahre Übung.

Wahrheit und Täuschung sind dualistische Vorstellungen ohne Wirklichkeit,

in der Essenz leer und doch nicht leer.

Das ist die wahre Buddha-Weisheit.

 

Der Spiegel des Geistes ist leuchtend klar. Er reflektiert alles ohne Verzerrung.

Seine lichte Reinheit durchdringt unzählige Welten.

Das ganze Universum in seiner Vielfalt spiegelt sich in diesem kostbaren Juwel,

in dem es kein Innen und Außen gibt.

 

An der Leerheit zu haften und Ursache und Wirkung zu leugnen,

schafft Verwirrung und Unheil.

Das Dasein zurückzuweisen und sich an die Leerheit zu klammern,

bedeutet mitten ins Feuer zu springen, um sich vor dem Ertrinken zu retten.

Illusionen verdrängen, um der Wahrheit zu folgen,

dies ist die künstliche Haltung des dualistischen Geistes.

Wenn ein Schüler so praktiziert,

verwechselt er einen Dieb mit seinem eigenen Sohn.

 

Der Reichtum des Dharma geht verloren, Verdienste erlöschen

infolge des unterscheidenden Denkens.

Wer aber das Tor des Chan durchschreitet und die Natur des Geistes schaut,

verwirklicht wahre Einsicht und dringt unmittelbar zum Ungeborenen vor.

 

Der verwirklichte Mensch ergreift das Schwert der Weisheit,

dessen scharfe Prajná-Schneide wie vajra-gleiche Flammen leuchtet,

alle Irrlehren durchschneidet und auf der Stelle sämtliche Dämonen verjagt.

Er verkündet den Dharma wie ein Donner, wie Trommelwirbel.

Er verbreitet Wolken des Mitgefühls

und lässt den Nektar der liebenden Güte regnen.

Seine Drachen- und Elefanten-Spuren sind überall zu finden,

um unzähligen lebenden Wesen zu helfen.

Und so bringt er die fünf Arten von Schülern in den drei Fahrzeugen

zum Erwachen.

 

Auf den Schneebergen wächst nur ein einziges Gras.

Die Kuh dort gibt die beste Milch. Die Butter daraus ist von edlem Geschmack.

Die Wahre Natur durchdringt alles.

Ein Dharma umfasst alle Dharmas.

 

Ein und derselbe Mond spiegelt sich in allen Wassern.

Zahllose Spiegelungen sind Abbild des einen Mondes.

Der Dharmakáya aller Buddhas zeigt sich als deine Wahre Natur,

die gleich ist der des Tathágata.

Wenn diese Stufe erreicht ist, sind mit einem Mal alle vollendet.

Ein Schnalzen mit dem Finger und die 84.000 Dharma-Tore öffnen sich.

Das Karma von drei endlosen Kalpas ist in einem Moment ausgelöscht.

Erwacht-sein ist jenseits von Name und Form.

Lob und Tadel erreichen es nicht.

Es ist grenzenlos wie der Himmelsraum, klar und präsent.

In einem Augenblick offenbart es sich.

Wenn du es suchst, findest du nichts.

Du kannst es nicht festhalten, und doch ist es da.

Seine Worte sind Schweigen, durch Schweigen spricht es.

Und das Tor des großen Mitgefühls für alle Wesen öffnet sich.

 

Wenn mich jemand fragt, welche Lehre ich praktiziere, so antworte ich:

Mahá-Prajná, die Große Weisheit.

Ob Ja, ob Nein, die Erkenntnis liegt jenseits des menschlichen Denkens,

der Kern der Lehre jenseits von richtig und falsch.

Selbst die Götter können nicht die ganze Wahrheit erfassen.

Seit vielen Kalpas habe ich mich darin geübt.

Das ist kein leeres Gerede, um dich zu täuschen.

Ich errichte das Dharma-Banner dieser Wahrheit,

die ich in Tsao Chi erlangt habe,

um das Vermächtnis des Buddha weiterzutragen.

Mahákashyapa erhielt als erster die Dharma-Lampe.

Die Schriften berichten von 28 Generationen in Indien.

Nach Osten über die Meere ziehend,

brachte Bodhidharma die Lehre in dieses Land.

Sein Gewand wurde bisher in sechs Generationen weitergegeben.

So können in Zukunft noch viele den WEG vollenden.

 

Die Wahrheit braucht nicht verkündet zu werden,

denn Illusionen sind selbst Leerheit.

Wenn Sein und Nicht-Sein aufgehoben sind,

wird jede Vorstellung von nicht-leer und leer transzendiert.

Die Belehrungen über die verschiedenen Arten von Leerheit

sollen die Verstrickungen durchschneiden.

Sie zeugen von nichts anderem als Buddhanatur, dem Wahren Wesen von allem.

Der Geist ist die Wurzel, die Erscheinungen sind wie Staub auf einem Spiegel.

Ist der Staub weggewischt, leuchtet er strahlend und klar.

Sind Geist und Phänomene verschwunden, zeigt sich deine Wahre Natur.

 

Ach dieses Zeitalter, in dem der wahre Dharma nicht mehr erkannt wird!

Die Menschen sind ohne Einsicht, und es ist schwer sie zu unterweisen.

Weit entfernt von Wahrheit und Weisheit

sind sie im Netz falscher Ansichten verstrickt.

Mit schwachem Dharma nimmt die Macht der Dämonen zu

und so wachsen Missgunst und Hass.

Die Menschen haben die Möglichkeit,

die Lehre vom Dharma-Tor zur Erwachung zu hören,

Aber sie weisen sie zurück und zerschlagen sie in Stücke.

 

Das Handeln entspringt dem Geist, durch den Körper entsteht das Leid.

Es ist nicht recht andere zu beschuldigen.

Verleumde nicht das Rad des Buddha-Dharma,

sonst schaffst du dir das Karma der Hölle.

 

Im Sandel-Hain wachsen keine anderen Bäume.

Nur Löwen wohnen in der tiefen Stille des Waldes.

Ruhig streifen sie durch das dichte Gehölz.

Vögel und alle anderen Tiere halten sich weit entfernt.

Nur die Löwen-Jungen folgen ihren Spuren.

Schon das Gebrüll der Dreijährigen tönt laut.

Versucht ein Schakal den König des Dharma nachzuahmen,

wird er auch nach hundert Jahren nur leeres Geschrei erzeugen.

 

Die Wahrheit der vollkommenen Erwachung

kann der menschliche Verstand nicht fassen.

Zweifel und Unklarheit müssen aufgelöst werden.

Dieser einfache Mönch sagt euch das nicht,

weil er an einer bestimmten Ansicht hängt,

sondern um euch vor der Falle der Extreme –

Vernichtung und ewige Existenz – zu bewahren.

 

Falsch ist nicht falsch und wahr ist nicht wahr.

Weichst du auch nur um Haaresbreite davon ab,

so bist du schon tausend Meilen von der Wahrheit entfernt.

Die kleine Nága-Schlange hatte Vertrauen und erlangte Buddhaschaft.

Aber der ungläubige Mönch Sunakshatra ward in der Hölle wiedergeboren.

 

Seit meiner Jugend habe ich Wissen angehäuft,

Sútren und Kommentare studiert,

Namen und Begriffe unterschieden – pausenlos, ohne zu ruhn.

Wie nutzlos!

Es gleicht einem Sprung ins Meer, um die Sandkörner zu zählen.

Zurecht hätte mich der Buddha getadelt,

denn was bringt das Zählen der Schätze von anderen?

Endlich verstand ich: Vergeblich waren meine Bemühungen.

Jahrelang war ich ein irrender Mönch ohne Ziel,

durch Unverständnis und falsche Interpretationen

war ich nicht fähig, des Tathágatas Wahrheit zu schauen.

 

Wer den Dharma hört oder für sich selbst verwirklicht,

kann feststehen auf dem WEG,

doch mangelt es ihm am großen universellen Mitgefühl.

Weltliche Gelehrte zeigen Intelligenz und Wissen,

doch fehlt ihnen die Prajná-Weisheit der Befreiung.

In ihrer Ignoranz und Torheit suchen sie die Wahrheit in der leeren Faust

und halten den Finger, der zum Mond zeigt, für den Mond.

In einer Welt der Sinne und Objekte wandern sie verwirrt umher.

 

Lass alles los und du bist der Tathágata,

der erhabene Seher, der wahre Freiheit erlangt hat.

Für ihn ist kein einziges Ding mehr vorhanden,

und karmische Hindernisse lösen sich auf in Leerheit.

Wer dies nicht verwirklicht, muss seine Schulden begleichen.

 

Die Hungrigen sitzen an einer königlichen Tafel und doch essen sie nicht.

Die Kranken treffen den König der Ärzte und folgen doch nicht seinem Rat.

Wie sollen sie da genesen?

 

Chan-Praxis ist sehr nützlich in dieser Welt der Begierde.

Wie ein Lotus, der mitten im Feuer erblüht, wird sie niemals zerstört.

 

Der Mönch Pradhánashúra übertrat zwei Gebote.

Als er aber zur Todlosigkeit erwachte,

war er augenblicklich befreit und wurde ein Buddha.

Wie Löwengebrüll ist die Lehre der Furchtlosigkeit.

Doch die Unwissenden sind dumm und verworrenen Geistes.

Sie wissen nur, dass schwere Vergehen die Erleuchtung verhindern.

Doch des Tathágatas Wahrheit können sie nicht durchdringen.

Einst waren zwei Mönche angeklagt; sie hatten Gebote verletzt:

Unkeuschheit und Töten waren ihre Vergehen.

Sie beichteten dem ehrwürdigen Mönch Upáli.

Er aber übertrieb ihre Vergeltung mit der Einsicht eines Glühwürmchens.

Doch der große Laien-Bodhisattva Vimalakirti löste die Wolken ihrer Zweifel

wie die strahlende Sonne Schnee und Eis schmilzt.

 

Die wunderbare Kraft der Befreiung wirkt auf vielfache Weise

und ist unerschöpflich wie Sandkörner am Ganges.

Sie ist würdig, die vier Opfergaben darzubringen.

Doch auch zehntausend Goldstücke reichen nicht aus, sie aufzuwiegen.

Selbst wenn wir unsere Knochen zu Staub verwandeln

und unseren Körper in Stücke schneiden,

es wäre nicht genug des Dankes.

Ein Wort erleuchteter Wahrheit, das dich ans andere Ufer setzt,

gilt mehr als zahllose übliche Worte.

 

Der König des Dharma ist unübertroffen.

So bezeugen es die Erwachten, von denen es unzählige gibt.

 

Ich habe auf korrekte Weise dieses wunscherfüllende Juwel dargelegt.

Wer diesen Worten Glauben schenkt und ihnen vertraut,

wird Verwirklichung erlangen.

Aus der Sicht des Erwachten gibt es nichts zu finden,

weder Mensch noch Buddha.

Die zahllosen Welten im großen Kosmos

sind wie treibende Blasen auf dem Ozean,

Heilige und Weise wie leuchtende Blitze im weiten Raum.

 

Selbst wenn ein kreisendes Eisenrad über meinem Kopf mich bedrohte,

das unerschütterliche Prajná-Samádhi bliebe dennoch bestehn.

Selbst wenn die Sonne erkaltet und der Mond sich erhitzt,

kann kein Dämon die Wahrheit zerstören.

Der Elefanten-Wagen rollt langsam und stetig dahin.

Wie könnte eine Heuschrecke ihm den Weg versperren?

Der große Elefant begibt sich nicht auf den Hasenpfad.

Das große Erwachen sprengt alle Grenzen.

 

Durch ein Schilfrohr betrachtest du den weiten Himmel. –

Hör endlich auf damit!

Und wenn du noch immer nicht verstehst und zur Einsicht gelangst:

Den Schlüssel zum Erwachen findest du in diesem Gesang.