Geh in die Stille - erwecke den Buddha in Dir

Ist der Buddhismus eine Religion oder ist er Mystik?

28.06.2013 14:36

 

Auch wenn heutzutage manchmal behauptet wird, dass der Buddhismus keine Religion sei, so hat er doch einen tief religiösen Aspekt. Der eigentliche Sinn der buddhistischen Praxis ist die Befreiung des Geistes über den Tod hinaus. Dazu gibt es viele Methoden der Geistes-Schulung, auch um sich auf den Übergang im Tod vorzubereiten. Leben und Tod werden als Einheit betrachtet. Wenn etwas entsteht, wird es auch wieder vergehen. Was geboren wird, muss sterben. Was niemals geboren wird, kann nicht sterben. Wir sprechen im Buddhismus von der ungeborenen Buddhanatur, dem Buddha in uns - dem Licht im Dunkel allen Leidens. Erleuchtung bedeutet, den Buddha in uns vollkommen zu verwirklichen. Der Weg ist ein spiritueller, religiöser Weg, der uns über uns selbst, unser Ich-und-Mein hinauswachsen lässt.

Manche, die die Lehre des Buddha nicht bis in ihre Tiefe kennen, sagen, der Buddhismus sei eine Mystik. Das ist durchaus bis zu einem gewissen Grad richtig. Auf einer bestimmten Ebene der Praxis kann es zu Einheitserfahrungen kommen. Dies sind mystische Zustände auf einer subtilen Ebene des Bewusstseins. Sie hängen mit den Jhanas, den Vertiefungen zusammen, die aber nicht Befreiung bedeuten. Der Buddha hat diese Erfahrungen transzendiert. Er hat eine höhere Wirklichkeit nicht abgelehnt, aber er ist über alle Konzepte und Vorstellungen davon hinausgegangen. Er lehrte, dass letztendlich Subjekt und Objekt, Ich und Du, Welt und Jenseits nicht vereint werden, sondern dass sie transzendiert werden. Das heißt, die höchste Verwirklichung ist vollkommene Freiheit von jeder Dualität, jeder Vorstellung, auch von einer Einheitserfahrung. Diese kann uns zwar in eine höhere Existenz führen. Erleuchtung aber, wie sie der Buddha selbst erfahren und verwirklicht hat, geht über alle diese Zustände und mystischen Erfahrungen noch hinaus. Das letztendliche Nirvana ist Todlosigkeit, das heißt jenseits von Geburt und Tod, jenseits von Entstehen, Vergehen und Verweilen.

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